Zeitreise durch Vergnügen

Das Kurhaus wurde nach Plänen von Eugen Fassbender und Maximilian Katscher 1885 an Stelle der alten Trinkhalle und des Theresienbades errichtet. Funktionell ersetzte es den Redoutensaal, der 1908 abgebrochen wurde, um Platz für das neue Stadttheater zu schaffen. Als Veranstaltungsort für Konzerte und Feste, ausgestattet mit einem gemütlichen Rauchzimmer und einer Bibliothek, war das Kurhaus schon immer der perfekte Treffpunkt für alle, die Entspannung und Unterhaltung suchten. Seit 1937 dient das monumentale Gebäude als Spielbank und ist nach der Renovierung im Jahr 2007 das zweitgrößte Casino Europas. Der Ballsaal hat sein ursprüngliches Erscheinungsbild 1999 zurückbekommen – seitdem erstrahlt das historische Deckenfreske wieder in altem Glanz.

Fassbinder und Katscher ließen sich von der Renaissance inspirieren: Die Riesenpilaster und Rundbogenfenster der Fassade entsprechen dem retrospektiven Geschmack der Zeit.

Im Biedermeier

Kasinos waren immer wichtiger Bestandteil von Kurorten. Als 1870 in Bad Homburg das Glücksspiel verboten wurde, verlor die Stadt von einem Jahr auf das nächste 50 % der Kurgäste, – und Baden? Im katholischen Österreich war das Zocken traditionell verboten. Dafür blühte das illegale Spiel – auch bei uns. Kaiserin Maria Theresia spielte im Herzoghof, während ihre männliche Begleitung das offizielle Besuchsprogramm absolvieren musste. Der Sekretär des Wiener Kongresses, Friedrich von Gentz, verlor ein Vermögen im Salon der Gräfin Fuchs. Sein Chef, Clemens Lothar Wenzel Fürst Metternich, ließ sich von seiner eigenen Polizei erwischen; beim Stoßspielen im Schwarzen Adler – gemeinsam mit Bankier Arnstein, Finanzminister Wallis und anderen höchsten Herren.

Das Café Schopf

Die Kurstadt Baden wurde von drei Gästegruppen geprägt: kaiserliche Familie und Hochadel, jüdisches Großbürgertum und – das k.u.k. Militär. Der Peterhof war Garnisonsspital hauptsächlich für die Arcieren-Leibgarde des Kaisers, Sauerhof und Engelsbad dienten dem Offizierschor als Kuranstalten. Offiziere und Glücksspiel waren genauso symbiotisch wie Kurstadt und Glücksspiel. Es ist daher kein Wunder, dass sich in Baden hohe Militärs um Kopf und Kragen spielten. Arthur Schnitzler beschreibt in „Spiel im Morgengrauen“ dieses Milieu anhand des leider nicht mehr existierenden Café Schopf in der Weilburgstraße 5. Seit 1959 steht an seiner Stelle ein Hochhaus.

Das erste Kasino 1914 – die Villa Löwenstein

Im Sommer 1913 bemühte sich Bürgermeister Franz Trenner um Ansiedlung eines Kasinos. Das neue Kasino im Seebad Abbazia (heute Opatijia) war Anstoß für diese Idee. Eine Spielgesellschaft wurde gegründet, die Villa Löwenstein (Hudelist/Haus der Kunst) für diesen Zweck angemietet. Im April 1914 war es soweit, das Kasino öffnete seine Pforten. Die deutsch-freiheitliche Badener Zeitung und die christlich-soziale Opposition unter Josef Kollmann tobten, die Bezirkshauptmannschaft drohte, bei geringsten Verstößen gegen das Glücksspielgesetz unbarmherzig einzuschreiten. Und so kam es auch. Bereits im August wurde das Kasino wieder behördlich gesperrt. Im Jahr darauf verkaufte die Stadt die Möbel des Salons. Im Weltkrieg sollte man rasch andere Sorgen haben.

Das Kurhaus wird Casino seit 1934

Im Jahr 1934 wurde das Glücksspiel in Österreich legalisiert. Der Badener Bürgermeister Josef Kollmann war als Nationalratsabgeordneter strenger Gegner der Freigabe. Als es aber dann um den Standort ging, soll er gemeint haben: „Wenn es schon sein muss, dann in Baden“. Das Kasino zog in das Kurhaus ein, das für diesen Zweck umgebaut wurde. Abgesehen von vorübergehenden Standorten in Ausweichquartieren während der Besatzungszeit in der Wassergasse, oder während des großen Umbaus des Kurhauses in den 1990er Jahren in der Veranstaltungshalle in der Waltersdorferstraße blieb das Kasino bis heute im ehemaligen Kurhaus.

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