Ausblick über die Stadt durch die Säulen des Beethoventempels, Fresko an der runden Decke.
Panoramablick vom Beethoventempel in Baden © Spekner

Great Spa Town Baden

Gleich und doch verschieden. Baden besitzt alle Merkmale einer Great Spa Town of Europe und bereichert die Serie zusätzlich durch die besondere Lage als Lieblingsplatz der Habsburger.

GEMEINSAMKEIT

Stadttyp Kurstadt

Eine Great Spa Town entwickelte sich um zwei Kernfragen:

  • Wie nutzt man die Heilkraft des Wassers?
  • Wie verbindet man das Nützliche mit dem Angenehmen?

Das Ergebnis war ein ganz neuer Typ Stadt. Die Gestaltung ergab sich aus dem Tagesablauf der Kurgäste und ihren Bedürfnissen. Ursprung und Katalysator waren die Mineralquellen. Um das kostbare Wasser zu nützen, entwarfen Architekten spezielle Badehäuser und Behandlungs- einrichtungen. Genauso wichtig wie die Schwefelbäder waren Bewegung und Vergnügen. Die Gäste spazierten in den Parkanlagen und wanderten in den Wäldern der therapeutischen Landschaft. Sie lauschten der Walzermusik im Kurpark, besuchten Theater und Kaffeehäuser sowie Pferderennen und wetteten im Casino oder einer der illegalen Spielhöllen. Für die Bequemlichkeit sorgte eine hochmoderne Infrastruktur, mit Post- und Telegrafendienst, Straßenbeleuchtung und Straßenbahn.

Alle 11 Great Spa Towns sind so gestaltet. In den Augen der UNESCO ist die ähnliche Stadtgestaltung außerordentlich wertvoll: Sie ist der zentrale Grund für die gemeinsame Auszeichnung als Serie.

Für die UNESCO liegt die zentrale Besonderheit in der Nähe zu Wien, damals die Hauptstadt eines Weltreichs und der Sitz der mächtigen Habsburger-Dynastie. Die Habsburger liebten Baden, allen voran Kaiser Franz der Zweite (r. 1792-1806) / der Erste (r. 1806-1835). Das Kaiserhaus investierte nicht nur in die Entwicklung der Kurstadt, sondern kreierte auch einen gesellschaftlichen Hype. Baden wurde zum Hotspot der internationalen High Society.

Eine zweite Besonderheit zeigt die Wohnsituation. Kurgäste zu beherbergen war ein lukratives Geschäft, nicht nur für Bürgerinnen und Bürger der kurfürstlichen Stadt Baden.

Auch der Wiener Adel und das erstarkte Bürgertum vermieteten ihre exklusiven Badener Wohnsitze. Die meisten dieser Villen wurden sogar eigens dafür gebaut. Da ein Neubau sich in wenigen Jahren amortisierte, entstand ein imposanter Villengürtel, der durch seine kreative Gestaltung und Vielfalt bis heute beeindruckt. 

Eine dritte Besonderheit ist der erstklassige Erhaltungszustand von Architektur und Stadtraum. Hier verschmelzen Spätjosephinismus und Klassizismus noch immer harmonisch mit Historismus und Jugendstil.

LAGE UND ABGRENZUNG

Property. Pufferzone.
Wider Setting.

Das eigentliche Welterbe in Baden umfasst nur ein Achtel des heutigen Stadtgebiets (3,45 km² von 27 km²). Die UNESCO verwendet dafür den Fachbegriff „Property“.

Das Property repräsentiert den Kurgedanken durch die Echtheit (Authentizität) und Unversehrtheit (Integrität) von Gebäuden und Ortsbild.

Eine Pufferzone (5,53 km²) umschließt das Property. Diese Pufferzone schützt die historischen Sichtbezüge und bewahrt dadurch die Wahrnehmung und Erlebbarkeit des Welterbes. Auch das weitere Umland beeinflusst die visuelle Integrität.

Im internationalen Vergleich liegt Baden in der goldenen Mitte: Badens Property ist fast sechsmal grösser als das von Vichy (kleinstes Property mit 0,6 km²) und achtmal kleiner als das von Bath (größtes Property mit 28,7 km²).

Karte der Welterbe-Kernzone in dunkelgrau und Pufferzone in hellgrau; Ruine Rauheneck, Bahnhof, Kurpark und Casino eingezeichnet.
Die Welterbe-Kernzone (dunkelgrau dargestellt) umfasst nur etwa ein Achtel des heutigen Stadtgebiets © Stern
KURSTADT

Bausteine auf einen Blick